Diese Frage bildet den Ausgangspunkt der dreiwöchigen partizipativen Kunstaktion zuHAUSe.
Zuhause ist kein feststehender Ort. Es ist Erfahrung, Erinnerung, Schutzraum, Konfliktzone, Sehnsuchtsort – und oft etwas Fragiles. In Zeiten von Mobilität, Wohnraummangel, Migration, sozialen Brüchen und sich verändernden Familienstrukturen wird „Zuhause“ zunehmend zu einer offenen, individuell verhandelten Kategorie.
Das Projekt versteht sich als prozesshafte, kollektive Annäherung an diesen Begriff. Der Ausstellungsraum beginnt als leere Struktur: angedeutete Wände aus Papier, Karton und Stoff bilden ein unfertiges Haus. Erst durch die Beteiligung des Publikums entsteht Bedeutung. Besucher*innen aller Altersgruppen sind eingeladen, Spuren zu hinterlassen – zeichnend, schreibend, bauend, erzählend oder beobachtend. Es gibt keine vorgegebene Form und kein gewünschtes Ergebnis.
Über drei Wochenenden hinweg verdichtet sich der Raum: Erinnerungen, Materialien, Worte und Gesten lagern sich übereinander, widersprechen sich, werden ergänzt oder überdeckt. Zuhause erscheint dabei nicht als harmonisches Ideal, sondern als vielstimmiger, widersprüchlicher Prozess, der Schutz und Verletzlichkeit zugleich enthält.
Die Arbeit verschiebt die Rolle des Kunstvereins vom Ort der Präsentation zum Ort der Begegnung und Aushandlung. Kunst entsteht hier nicht als Objekt, sondern als sozialer Prozess, in dem unterschiedliche Generationen, Erfahrungen und Perspektiven gleichberechtigt nebeneinander bestehen.
Am Ende bleibt kein fertiges Haus, sondern ein Archiv von Spuren: ein sichtbares Zeugnis dafür, dass Zuhause weniger ein Ort ist als eine Beziehung – zu Räumen, zu Menschen und zu Erinnerungen.